AUFGEDECKT: Polyamouröse Vorstellungen (und ja: Heirat ist auch enthalten)

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Das britische Magazin FK hat kürzlich bei einer Umfrage 1.006 schwule Männer zu ihrer Einstellung zu offenen und polyamourösen Beziehungen befragt – also solchen Beziehungen, die nicht ausschließlich monogam sind. Schwule und Bi-Männer die noch nie in einer offenen oder polygamen Beziehung waren, bewerten eine solche eher als negativ Wogegen solche die in einer waren oder sind, diese eher positiv bewertet wird. Dieses Ergebnisse bestätige ein ähnliches Studienergebnis vom September 2013 des Magazines Psychology & Sexuality.

Wenn man die negative Meinung der monogamen Menschen betrachtet ist es nicht überraschend, dass 65 Prozent der Befragten eine gesellschaftliche Stigmatisierung von offenen oder polygamen Beziehungen sehen.

Auf einem Vortrag der diesjährigen Konferenz für LGBT-Gleichstellung (Creating Change) wurde festgestellt, dass es Teil der anti-polygamen Stigmatisierung ist, dass man nicht einfach so mehr als nur einen Partner zu Firmenveranstaltungen mitbringen kann, oder auch die Schubladen in die man gesteckt wird  wenn man gegenüber anderen über mehrere Partner spricht, das Nichtvorhandensein von gesunden polygamen Beziehungen in Film und Fernsehen und auch die Gefahr, dass man als Perverser abgestempelt wird, seinen Job dadurch verliert oder seine Kinder in einem Sorgenrechtsverfahren abgenommen bekommt – nur weil man polygam lebt.

Im Ernst, dieser Kampf ist real.

Aber es gibt sehr viel mehr polygame Menschen und solche die in einer offenen Beziehung leben als die meisten Amerikaner denken. Der australischen Wissenschaftlerin Kelly Cookson zufolge leben zwischen 1,2 und 9,8 Millionen Amerikaner in irgendeiner Art von nicht-monogamen Verhältnissen (das sind bis zu 3 Prozent der US-Bevölkerung). Und die wirkliche Zahl könnte dabei noch viel höher liegen, weil viele Menschen von sich selbst behaupten monogam zu sein weil sie die gesellschaftliche Stigmatisierung meiden.

Fakt ist, dass uns beigebracht wurde dass Nicht-Monogamie böse, verrucht, unreif und egoistisch ist – und nicht entwicklungsfähig, gut, reif und liebevoll.

Um das zu ändern, haben die polygamen Teilnehmer bei Creating Change eine gesellschaftliche und politische Agenda für eine moderne polygame Bewegung ausgearbeitet. Hier einige der Ziele die sie vorgetragen haben:

  • Änderung von des Mietrechts, so dass Familien mit mehreren Elternteilen nicht aus Einfamilienhäusern rausgeworfen werden können.
  • Aufsetzen einer umfassenden Webseite mit rechtlichen Informationen über Elternschaft, Arbeit, Recht, Steuern und Krankenversicherung für eine schnelle und einfache Informationsbeschaffung. Diese Webseite sollte auch Informationen darüber enthalten, wie man sowohl legal als auch emotional eine polygame Partnerschaft wieder auflösen kann.
  • Informationen über nicht-monogame Beziehungen im Sexualkundeunterricht
  • Schulung von Mitarbeitern der Sozial-, Kinder- und Familienhilfe über die Existenz von polygamen Familien, so dass diese nicht als Gefahr für die Sicherheit eines Kindes angesehen werden
  • Druck auf die Regierung um die polygame Ehe anzuerkennen und Antidiskriminierungsgesetzte für polygame Menschen zu erlassen
  • Druck auf Arbeitgeber um auch mehreren Lebenspartner Mitarbeitervergünstigungen einzuräumen
  • Einführung von Workshops während der Pride-Veranstaltungen bei denen (unter anderem) klar gemacht wird, dass Polygamie kein Fremdgehen ist, aber Fremdgehen in einer polygamen Beziehung vorkommen kann.
  • Weiterbildung von Psychologen und Therapeuten über polygame Beziehungen, so dass diese auch gut und effektiv beraten werden können.
  • Vorantreiben der positiven Darstellung von polygamen Beziehungen in den Medien
  • Demonstrationen und Aufmerksamkeits-Kampagnen um den Menschen die anti-polygame Einstellung zu nehmen und die politischen polygamen Ziele klar zu machen.

Nachdem nun eine konkrete Agende festgeschrieben ist liegt es an den Aktivisten und Aufklärern mit ihrer harten Arbeit zu beginnen und einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen. Sie haben einen steinigen Weg vor sich: Eine Meinungsumfrage im März 2015 hat ergeben, dass nur 16% Polygamie akzeptieren. Das ist nicht viel, aber immerhin doppelt so viel im Vergleich zur Umfrage aus 2001.

Trotz der öffentlichen Ablehnung wurden jedoch Studien über Polygamie durchgeführt die widerlegen, dass der polygame Stereotyp „ungesund“ ist. Zum Beispiel zeigt die 2015 vorgenommene Umfrage unter 8.566 Frauen, durchgeführt von dem lesbischen Web-Portal Autostraddle, dass nicht-monogame Partner weder schlampiger noch sexuell unsicherer leben als monogame Partner. Die Verbreitung solcher Informationen in der Öffentlichkeit wird dabei helfen, hier einen Wandel beizuführen, so wie die Menschen heute auf Polygamie schauen und reagieren.

 

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