Vagina aus dem All der FIFA tötet 4000 Männer, während Menschenrechtsaktivisten über ein Sport-Videospiel jammern

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Internet-Kommentatoren sind in Testosteron-Tränen ausgebrochen, nach dem Electronic Arts (EA) – führender Hersteller und Anbieter von Computer- und Videospielen – angekündigt hat, in der kommenden Ausgabe des Videospieles FIFA 16 das erste mal auch weibliche Spieler einführen zu wollen. „Das will doch keiner“ schrieb einer der sonst eigentlich bestimmt ein ganz Lieber ist. Ein anderer hat mit seinen sicher muskelbepackten Fingern den überaus männlichen Tweet gepostet: „Zuerst haben die Frauen das Paradies ruiniert, nun ruinieren sie die FIFA!“  Wenn man diesen angepassten Macho-Frauen-Hassern glauben schenkt, dann stellen diese digital gerenderten weiblichen Charaktere mit ihren ruckelnden Bewegungen einen ernsthaften Angriff auf „König Fußball“ und eine Bedrohung der Männlichkeit sich dar. KEINE Bedrohung für die Männlichkeit? Der drohende Tod von mindestens 4.000 Männern, die gerade die Weltmeisterschaft 2022 in Katar vorbereiten.

Die Öffentlichkeit (selbst die in den USA) kennt die Skandale rund um die FIFA und weiss nun, dass Katar – wo die Weltmeisterschaft 2022 ausgetragen wird – ein albtraumhafter Ort zum Arbeiten ist. Arbeiter aus Ländern wie Nepal, Indien, Bangladesh oder Nordkorea schuften unter unmenschlichen Bedingungen bei brennender Sonne und verdienen dabei wenig bis gar kein Geld. Viele von ihnen kommen bei Unfällen ums Leben. Andere sterben durch die von unhygienischen Zustände in den Arbeiterbehausungen verursachten Krankheiten. Ohne das Einverständnis ihres Arbeitgebers dürfen sie nicht ihre Arbeit verlassen. Und auch nicht das Land: Den Arbeitern ist es vertraglich verboten zu kündigen. Wie nennt man das, wenn jemand für dich arbeitet, du ihn nicht dafür bezahlst, er nicht kündigen kann und du ihn ohne jegliche Konsequenzen umbringen kannst?  Sklaverei. Man nennt es Sklaverei. Lusail City, wo die Weltmeisterschaft von Katar ausgetragen werden soll, wird auf dem Rücken von Sklaven gebaut. Lusail City war mal ein Symbol für den Fortschritt in Katar, versprach futuristische Architektur, Luxushotels, Schulen, Villen, künstliche Inseln und ein klimatisierten Stadion das wie eine Riesen-Vagina eines Roboters aus dem All ausschaut.qatar,space vagina,soccer,fifa

Nach Schätzungen des internationalen Gewerkschaftsbundes werden bis zur Fertigstellung von Lusail City 4.000 Arbeiter ums Leben kommen. Vier tausend Menschen werden dem Bau einer riesigen, glänzenden Cyber-Pussy geopfert (so viele wie bei den Anschlägen vom 9.11.2013). Es klingt wie ein Kapitel aus einem dystopischen Roman eines Menschenrechtsaktivisten. Paul Elam leidet unter Albträumen, seit er durch eine durchfallbedingte Dehydrierung ohnmächtig wurde. Vier tausend Männer werden sterben, um eine übergroße Vulva in der Mitte der Wüste zu bauen. Wenn dieses menschliche Opfer in der Größenordnung einer Kleinstadt die Gemüter unserer maskulinen Sport-Fans erregt, dann zeigen sie es wohl nicht. Die Männer, die im Horror der digitalen Versprechungen von Abby Wambach taumeln, sind nicht entrüstet über die schamlose Ausnutzung der Gastarbeiter in Katar, kein Besorgnis darüber, dass das heiße Klima eine Gefahr für die Gesundheit der Sportler darstellen könnte und keine Empörung über die Bestechungen und Korruption die die Weltmeisterschaft in diese drückend heiße Hölle gebracht hat. Für diese Sportfans ist die Anwesenheit von virtuellen Frauen schlimmer als der wirkliche Mord an Menschen. So wie eine bestimmte Gruppe von Spielern die aus einer übelriechenden Ecke des Internets hervorkommt, wollen diese Fußballfans ihr Hobby unbefleckt lassen von den Problem wie Identitäts-Politik oder Menschenrechts-Verstößen oder das Frauen existieren. Unterhaltung muss a-politisch bleiben. Sie sagen, ein Mann sollte nicht an Feminismus oder menschliche Versklavung denken, wenn er FIFA 16 spielt. Er soll einfach auf seinem Sofa sitzen, beim flimmernden Licht des Fernsehens. Und mit seinen Bällen spielen. Hirnlos und alleine.

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