VIDEO: Cazwell mixt arabische Typen mit Klischees in „The Biscuit“

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Cazwell hat vor kurzem das Video zu „The Biscuit“ veröffentlicht, der Song ist die achte (!) Single aus seinem Album Hard 2 B Fresh. Im Video ist der Rapper mit seinen Backup-Tänzern zu sehen, die in knappen Tangas, mit Palistinänsertuch und eingeölter, sonnengebräunter Haut ihre Popos wackeln lassen. Der Song und auch das Video sind arabisch angehaucht, mit elektronischen Tönen des südafrikanischen DJ Naaldekoker die wie aus einer Mizmar klingen. Cazwell rappt dabei im Prinzip auf auf Naaldekoker’s Stück „Ek Smaak Jou“.

Im Video wirbeln Cazwell und seine Tänzer vor einem Green Screen herum, während hinter ihnen Bilder von Pyramiden, Kamelen, Kobras, Sphinxköpfen und Geschossen aufblitzen. Cazwell trägt einen Patronengürtel-Harness mit goldener, glänzender Maschinengewehrmunition, zudem noch einig Teile am Kopf. Das Video bewegt sich zwischen der kulturellen Anerkennung und Angemessenheit: Die Bilder darin bekräftigen die Vorurteile über Wüsten-Nomaden, bewaffneten Rebellen und Schlangenbeschwörern durch den Auftritt von bärtigen Arabern als exotischen Augenschmaus – die sich alle für einen Song zur Schau stellen, in dem es eigentlich nur um Ärsche und Sex geht.

„Wir haben eine vibrierende Landschaft kreiert, in der arabische Bilder neben solchen aus der Internet-Kunstszene wie von Vaporwave oder Seapunk gestellt werden“, sagt Cazwell. Auf die Frage ob er nicht besorgt sei, dass das Video als kulturell taktlos angesehen werden könnte – insbesondere wegen den Geschossen – sagt Cazwell geradeheraus: „Ich bin bei fast jedem Video das ich mache davon überzeugt, dass ich damit jemanden kränke oder verletze. Dieses hier eingeschlossen. Aber das ist nicht mein Ziel.“

Cazwell, "Biscuit", Hornet, gay app
“Das Video ist provokativ” sagt Sean Howell, Mitbegründer und CEO der Dating-App Hornet, die hinter “The Biscuit” steht. Er sagt weiter: „Mit dem Video schlägt Cazwell uns schon ein wenig ins Gesicht. Er unterhält uns damit, übertritt dabei aber auch Grenzen und spielt mit Klischees. Und genau deswegen lieben unsere User ihn.“ Für Howell spiegelt das Video nicht nur die kulturellen Vorurteile über den nahen Osten, sondern hält uns auch die Unterdrückung von schwulen und bisexuellen Männern die dort herrscht vor Auge.

Howell betont dabei, dass das wirkliche Leben von schwulen und bisexuellen Männern aus Ägypten und dem nahen Osten alles andere als nur Bauchtanz und Schlangenbeschwörung ist. Seit 2013 wurden mindestens 77 Schwule und Lesben von der ägyptischen Polizei in Haft genommen, einige von ihnen wurden dabei über schwule und bi-soziale Apps wie Grindr lokalisiert. Im April 2015 hat ein ägyptisches Gericht verfügt, dass das Land das Recht hat  schwule Immigranten an der Grenze ab- oder auszuweisen – zum „Schutz des öffentlichen Interesses und der religiösen und sozialen Werte“.

Homosexuellenfeindlichkeit ist kein rein ägyptisches Thema, auch in vielen anderen arabischen Ländern im nahen Osten gibt es keine Gesetze die die Rechte von Schwulen oder Bisexuellen schützen. Heirat oder Adoption von Kindern ist gleichgeschlechtlichen Paaren ebenso verwährt wie ein diskriminierungsfreies Leben. Letzten Monat erst hat ISIS in Syrien zwei schwule Männer in den Tod gestoßen. Türkische Polizeikräfte haben die Teilnehmer einer Pride-Parade attackiert und ein ultra-orthodoxer jüdischer Fanatiker hat sechs Menschen auf der Pride-Parade von Jerusalem niedergestochen. Vor kurzem erst hat sich auch im Internet ein Video wie ein Lauffeuer verbreitet, in dem zwei Jungs Hand in Hand durch Jerusalem laufen – und erntete  schwulenfeindliche Kommentare und Beschimpfungen.

Cazwell "Biscuit" video, presented by Hornet

Aber es ist auch falsch, die Erfahrungen von schwulen und bisexuellen im nahen Osten nur auf diese gewaltsamen Beispiele zu reduzieren. Sowohl  Israel als auch  Ägypten sind beliebte Reiseziele für schwule Touristen mit einer lebendigen schwulen Szene. Schwule Apps wie Hornet sind mit vielen neuen Nutzern im nahen Osten erfolgreich, und der seit kurzem offen schwul lebende ägyptischen Schauspieler Omar Sharif Junior sprach über Homosexualität in einem historischem, noch nie dagewesen Interview im ägyptischen Fernsehen.

Mittlerweile gibt es aber noch weitere Songs in denen es um Biscuit geht, so zum Beispiel von Portishead („Biscuit“), The White Stripes („Ball and Biscuit“) und seit neuestem auch von Kacey Musgraves („Biscuits„).

Und für den Fall das es nicht klar geworden ist: der Biscuit im Song von Cazwell bezieht sich sowohl auf die funkelnden Hintern in seinem Video, als auch auf das „nette“ Ritual in dem eine Gruppe von Jungs zusammen auf einen Biscuit (oder Keks oder Cracker) abspritzen muss. Derjenige, der als letztes kommt muss dann den Biscuit vor den Augen aller anderen essen. Wahrscheinlich ist das das gleiche Spiel, nach dem sich Limp Bizkit selbst benannt hat.

(nachträgliche Berichterstattung von Daniel Villarreal)

 

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